Amelia Island Tag 2


Verbringen einen entspannten Tag am wohl besten Spot unserer bisherigen Reise. Es passiert nichts Aufregendes, bis wir zwei Fischer als Nachbarn bekommen. Paul verbringt mit seinem 16-jährigen Sohn Reid eine Woche an diesem Strand zum Angeln. Als er im Gespräch erfährt, dass Anian noch nie in seinem Leben geangelt hat, fällt er wirklich vom Stuhl. Er kann sich nicht vorstellen, dass es irgendwo auf der Welt einen Platz gibt, an dem man nicht einfach fischen geht bzw. gehen kann. Wir erfahren, dass wir erst die vierten Nicht-Amerikaner sind, die er in seinem Leben trifft. Das können wir uns jetzt schwer vorstellen. Im Laufe des Tages erfährt Paul noch weitere Aha-Momente, einen Induktionsherd zum Beispiel, auf dessen kalte Platte er wie ein Kind seine Hand immer wieder legt. Vater und Sohn wollen die ganze Nacht Fischen und laden uns freundlich zum Barbecue ein. Davor wird aber noch ein Traum von Anian wahr: ER darf Angeln! Die Jungs bringen ihm alle notwendigen Handgriffe bei und schon nach kurzer Zeit baumelt wirklich ein Fisch an der Leine. Die Aufregung und Begeisterung sind am Höhepunkt angelangt. Wir schauen alle fasziniert und zugleich ein wenig angewidert auf das zappelnde Tier und sind erleichtert, als wir bemerken, dass die beiden alle Fische nach einem Foto wieder ins Wasser werfen. Das kostet Anian nun wirklich sehr große Überwindung, den Fisch anzufassen und zum Meer zu bringen. Er weiß aber, dass er jetzt da durch muss und meistert die Herausforderung. Die Jungs angeln noch eine Weile weiter, bis unser romantisches Abendessen fertig ist. Besonders stolz sind die Mädels auf ihren Kindertisch mitten auf Pauls Pick-Up. Bei flackerndem Kerzenschein hören wir fasziniert Pauls Geschichten über seine Waffen zu (er hat neun Stück) und bestaunen seine Trophäenfotos von Reh- und Hirschjagd. Kulturelle Unterschiede führen abwechselnd zu Kopfschütteln bei allen Beteiligten. Für Paul als Amerikaner ist es unglaublich, dass unsere Kinder am (menschenleeren) Strand alleine zur Brandung laufen dürfen. Wir murmeln etwas von Verantwortung übertragen und Vertrauen und er scheint angetan von europäischer Erziehung. Nach Pauls leckeren Steaks brechen die Jungs zu einer Runde Nachtfischen auf und kommen schon kurze Zeit später mit einem weiteren Fisch daher. Die Mädchen gehen erschöpft schlafen, während unsere Neu-Fischer noch bis weit nach Mitternacht weitermachen. Verabschieden uns von unseren Freunden und verabreden uns für den nächsten Tag.


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