San Martin de los Andes, Tag 5


Heute kommen wir in den Genuss, an einer argentinischen Schulaufführung teilnehmen zu können. Anlässlich des argentinischen Unabhängigkeitstages am 25. Mai führen alle Klassen gemeinsam ein Stück der Revolution vor.

Doch bevor das Spektakel beginnt, müssen wir alle aufstehen und den Einzug der Flaggen begutachten. Dann wird sowohl die argentinische als auch die Hymne der Region gesungen und das gleiche auch wieder rückwärts nach der Aufführung inklusive Flaggen wieder abhängen. Für unseren Geschmack dauert der offizielle Teil verhältnismäßig länger als der kreative Teil. Naja, hier wird der Nationalstolz noch wirklich ausgelebt.

Alle Schüler öffentlicher Schulen tragen hier weiße Kittel, die sehr an Metzgerei erinnern. Zum Glück gibt es aber während der Aufführung Kostüme, so dass sich das ganze nicht viel von einem deutschen Schultheater unterscheidet. Nach einem gebührendem Applaus nehmen wir die drei Mädels mit und fahren in die Blockhütte...

Was für uns Deutsche natürlich seeehr gewöhnungsbedürftig ist, ist das ganze Begrüßungs- und Abschiedszeremoniell speziell in Argentinien. Hier wird ja geküsst - und zwar immer und jeder. Das heißt auch Mann-Mann, Kind-Kind oder sogar Arzt-Patient. Vor allem für unsere Kinder ein Graus, sie beschweren sich regelmäßig über Männerbärte. Als wir heute in die Schule gekommen sind, wurden wir vielen Eltern vorgestellt und das bedeutet, wir waren eine ganze Zeit mit der Küsserei beschäftigt. Sehr befremdlich ist auch der Kuss des Arztes vor der Behandlung...

Spät am Nachmittag fängt heute Sonia, eine Reisende, an, für 20 Mann Tortellini zu machen. Die gelernte Köchin macht dabei sogar den Teig frisch und ohne Pastamaschine. Da dieser immer wieder ruhen muss und weil es mehrere Füllungen gibt, werden hunderte von Tortellinis erst um halb zwölf nachts gekocht. Die Kinder sind zwar schon halb verhungert, als es endlich Essen gibt, aber sehr glücklich über die leckeren Nudeln. Nachdem Papa heute auch noch den Abwasch für die WG übernimmt, stellen wir einen neuen Rekord auf und kommen erst um halb drei ins Bett...


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